Fiktive Abrechnung

Die fiktive Abrechnung wird häufig gewählt, wenn das unfallbeschädigte Fahrzeug nicht repariert werden soll oder der Unfallschaden in Eigenregie instandgesetzt wird. Die fiktive Abrechnung unterscheidet sich kaum von der tatsächlichen Abrechnung auf Basis einer Reparaturrechnung.

Die fiktive Abrechnung wird auch als Abrechnung auf Gutachtenbasis oder Abrechnung auf Kostenvoranschlag bezeichnet. Das liegt daran, dass der Unfallgeschädigte nicht anhand einer Reparaturrechnung abrechnen möchte, sondern den Geldbetrag aus dem Kostenvoranschlag oder Gutachten ausbezahlt bekommen möchte.

Der größte Unterschied zur Abrechnung auf Basis einer Reparaturrechnung ist, dass bei der fiktiven Abrechnung keine Mehrwertsteuer ausbezahlt wird. Grundlage der Auszahlung sind die hypothetischen netto Reparaturkosten nach Kostenvoranschlag oder Gutachten.

Oft wird die fiktive Abrechnung gewählt, wenn der Unfallschaden in Eigenregie instand gesetzt werden soll. Wenn der Unfallgeschädigte sein Fahrzeug in Eigenregie wieder instand setzt und das Fahrzeug in dieser Zeit nicht nutzen kann, steht ihm eine Nutzungsausfallentschädigung zu.

Tipp:

Die Voraussetzungen für eine Nutzungsausfallentschädigung und die Dauer des Nutzungsausfalls können Sie hier genau nachlesen.

Hinweis:

Wenn das Fahrzeug in Eigenregie instandgesetzt wurde und keine Reparaturrechnung vorliegt, sollte die Reparatur sehr genau dokumentiert werden.

Das kann durch einen Sachverständigen geschehen. Die Dokumentation dient bei einem nachfolgenden Unfallschaden als Beweis, dass der ursprüngliche Unfallschaden vollständig instandgesetzt wurde.

Andernfalls steht der Vorwurf im Raum, dass der ursprüngliche Unfallschaden nicht vollständig instandgesetzt wurde und deshalb für den weiteren Unfallschaden keine Schadenersatz geleistet wird.

Wenn die Versicherung weniger als im Gutachten zahlt, dann liegt das häufig daran, dass die Versicherung den Unfallgeschädigten auf eine kostengünstigere Werkstatt verwiesen hat.

Diese Werkstatt berechnet meist geringere Stundenverrechnungssätze, sodass insgesamt die Reparatur günstiger wird, als sie aus dem Gutachten hervorgeht.

Der Verweis auf eine kostengünstigere Werkstatt ist unzulässig, wenn eines der nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt ist.

  • Das unfallbeschädigte Fahrzeug ist jünger als 3 Jahre
  • Die Wartungen und Reparaturen des Fahrzeuges wurden vor dem Unfall durchgehend bei einer Vertragswerkstatt eines Fahrzeugherstellers durchgeführt
  • Die kostengünstigere Werkstatt liegt nicht im unmittelbaren Umkreis zum Wohnort des Unfallgeschädigten
Tipp:

Wenn Sie ein Abrechnungsschreiben von der Versicherung erhalten haben und damit nicht einverstanden sind, dann vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.