Nutzungsausfallentschädigung

Die Nutzungsausfallentschädigung wird pro Tag bezahlt und liegt zwischen EUR 23,00 bis EUR 175,00. Die Nutzungsausfallklasse wird häufig bereits durch einen Sachverständigen im Gutachten ermittelt. Die Nutzungsausfallentschädigung können Sie verlangen, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind.

 

Die Voraussetzungen für Nutzungsausfallentschädigung:

Keine Nutzungsmöglichkeit Ihres beschädigten Fahrzeuges

Nutzungsausfallentschädigung steht Ihnen nur zu, wenn Sie Ihr Fahrzeug unfallbedingt nicht mehr benutzen konnten. Das kann bereits unmittelbar nach dem Unfall eintreten, wenn das Fahrzeug nicht mehr fahrbereit ist oder nicht mehr verkehrssicher. Wenn die Fahrbarkeit und Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt ist (z.B. bei Kratzer und Beulen), steht Ihnen Nutzungsausfallentschädigung nur für die Zeit der Reparatur zu.

Beispiel 1:

Bei einem Unfall am 13.05.2020 wurde die Achse des Fahrzeuges beschädigt. Das Fahrzeug wird zur Werkstatt abgeschleppt. Am 15.05.2020 wird das Fahrzeug durch einen Sachverständigen begutachten. Das Gutachten trifft bei Ihnen am 17.05.2020 ein und es liegt kein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Sie geben am 18.05.2020 den Reparaturauftrag. Das Fahrzeug wird am 23.05.2020 fertiggestellt. Die Nutzungsausfallentschädigung beträgt EUR 79,00.

Lösung:

Sie erhalten Nutzungsausfall für insgesamt 10 Tage. Insgesamt stehen Ihnen EUR 869,00 Nutzungsausfall zu.

Beispiel 2:

Am 14.10.2020 wird die Tür eines Fahrzeug durch einen Unfall beschädigt. Die Verkehrssicherheit und Fahrbarkeit ist durch die beschädigte Tür nicht beeinträchtigt. Das Fahrzeug wird am 17.10.2020 durch einen Sachverständigen begutachtet. Die Reparatur der Tür dauert 2 Werktage. Die Nutzungsausfallentschädigung beträgt EUR 43,00 pro Tag.

Lösung:

Es wird Nutzungsausfall für 2 Tage bezahlt. Insgesamt also EUR 86,00.

Kein Ersatzfahrzeug steht zur Verfügung

Wenn ein Ersatzfahrzeug (z.B. Zweitfahrzeug) zur Verfügung steht, ist eine Nutzungsausfallentschädigung grundsätzlich ausgeschlossen. Etwas anderes gilt, wenn das Zweitfahrzeug bestimmungsgemäß jemand anderen zugeordnet ist.

Eine häufige Form eines Zweitfahrzeuges ist das Fahrzeug des Ehepartners. In diesem Fällen wurde das Fahrzeug meist für den Ehepartner angeschafft. Der Ehepartner ist nicht verpflichtet, seinen Alltag derart umzuorganisieren, damit der unfallgeschädigte Ehepartner weiterhin mobil bleibt. In diesen Fällen kann trotz Vorhandensein eines Zweitfahrzeuges Nutzungsausfall ersetzt verlangen.

Hinweis:

Wird dem Unfallgeschädigten durch seine Familie ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt, damit dieser mobil bleibt, hat dies keinen Einfluss auf den Ersatz von Nutzungsausfallentschädigung. Obwohl der Unfallgeschädigte weiterhin mobil ist, billigt die Rechtsprechung Nutzungsausfallentschädigung zu.

Nutzungsmöglichkeit

Nach dem Verkehrsunfall muss der Unfallgeschädigte weiterhin die Möglichkeit haben, ein Fahrzeug zu nutzen. Das fehlt z.B. wenn sich der Unfallgeschädigte in einem Urlaub befindet oder durch den Unfall verletzt wurde.

Beispiel:

Durch einen Verkehrsunfall hat sich der Unfallgeschädigte eine Fraktur des rechten Arms zugezogen. Der Arm konnte erst nach 3 Monaten wieder beschwerdefrei genutzt werden.

Lösung:

Durch die Fraktur des rechten Arms hatte der Unfallgeschädigte keine Möglichkeit, ein Fahrzeug zu führen. In diesen Fällen steht dem Unfallgeschädigten kein Nutzungsausfall zu.

Bemerkung: Der Nutzungsausfall hat keinen Einfluss auf ein etwaiges Schmerzensgeld.

Nutzungswille

Zudem ist Voraussetzung für den Ersatz von Nutzungsausfallentschädigung, dass der Unfallgeschädigte überhaupt den Willen hat, ein Fahrzeug zu nutzen. Der Nutzungswille wird oft vermutet, es kann jedoch das Gegenteil angenommen werden, wenn z.B. für längere Zeit kein neues Fahrzeug angeschafft wurde, obwohl das unfallbeschädigte Fahrzeug ein Totalschaden war.

Beispiel:

Durch den Verkehrsunfall wird das Fahrzeug totalbeschädigt. Das Fahrzeug wird zum Restwert (Schrottwert) verkauft. Ein neues Fahrzeug wird es 4 Monate nach dem Unfall angeschafft.

Lösung:

Nachdem ein neues Fahrzeug erst 4 Monate nach dem Unfall angeschafft wurde, können hier erhebliche Zweifel daran bestehen, dass der Unfallgeschädigte überhaupt einen Willen hatte, ein Fahrzeug zu nutzen. Wäre dieser Wille da, wäre vermutlich eher ein Ersatzfahrzeug angeschafft worden. In diesem Fall ist der Ersatz von Nutzungsausfallentschädigung vermutlich ausgeschlossen.

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